Sciaredo lädt ein

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1932 als  frühes Zeugnis modernen Bauens im Tessin erbaut, ist der von einer Parklandschaft umgebene goldgelb leuchtende Kubus seit 2000 ein Atelier-Haus für Kulturschaffende.

Sciaredo ist der Flurname eines kleinen Hügels am Südende der Collina d’Oro, die sich entlang dem Lago di Lugano erhebt. Er gehört zu Barbengo, einem kleinen Tessiner Dorf, dessen Campanile von weit her sichtbar ist und dessen Glockenspiel zum Tagesrythmus der Gäste von Sciaredo gehört.

Schon zu Beginn des 20. Jh. war die Collina d’Oro eine wichtige Destination für Emigranten – Herman Hesse zum Beispiel – aber auch für Ferien- und Alterssitze begüterter Deutschweizer. 1928 erwarb der Winterthurer Ingenieur Rodolfo Klein den Palazzo Triulzi in Barbengo. Als erste Bewohnerin zog seine Tochter, die Germanistin, Musikerin und Künstlerin Georgette Klein (1893-1963) daselbst ein, nicht zuletzt um der bürgerlichen Winterthurer Gesellschaft zu entfliehen und eine eigene, durchaus romantische Lebensvision zu entwickeln und zu leben.

Bald lernt sie den Handwerker und Weinbauern Luigi Tentori kennen, der auf der Sciaredo-Anhöhe Reben kultiviert. Hier, so beschlossen die beiden, sollte ihr Traumhaus entstehen. Die durch ihre Mitgliedschaft im Schweizerischen Werkbund mit moderner Architektur vertraute Multimedia-Künstlerin zeichnete  die Pläne dafür, Tentori setzte sie um, zusammen mit Handwerkern aus der Region.

Klare Rhythmen und Reduktion auf das Wesentliche kennzeichnen das heute unter Denkmalschutz stehende Haus. Seine Präsenz zuoberst auf dem alleinstehenden Hügel, die unmittelbare Beziehung zur Landschaft, der Blick nach Italien während des Tages und zum Sternenhimmel in der Nacht machen Sciaredo zum Kleinod.

30 Jahre verbrachte Georgette Tentori-Klein in dem Haus, in dem ihr Ehemann eher Gast als ständiger Bewohner war.  Hier schuf sie ihr holzbildhauerisches Werk, hier spielte sie – einsam – auf ihrer Geige, ihr schrieb sie ihre Tagebücher zu Gott und der Welt, hier schnitzte sie die Charakterköpfe für ihre Figurentheater und vieles mehr (siehe «Georgette Klein»).

Um 1960 formulierte sie zusammen mit ihrer Schwester Marcelle (1895-1986) den Wunsch, Sciaredo möge nach ihrem Tod zur Residenz für Kulturschaffende werden. So einfach ging das freilich nicht. Erst 1998 kam es zur Gründung der Stiftung Sciaredo mit dem Schweizerischen Werkbund,  der Künstlergesellschaft Visarte und dem Verein Sciaredo als Trägerschaften (siehe «Stiftung»).

Eine bescheidene Renovation (inklusive Wiederherstellung des Gartenkonzeptes) ermöglicht es seit nunmehr 16 Jahren das Haus Kulturschaffenden für die Realisierung künstlerischer Projekte zu vermieten ( siehe «Mieten»). Weit über 100 Kulturschaffende – insbesondere aus den Bereichen Bildende Kunst, Architektur, Design, Film, Literatur – haben seither in Sciaredo Neues entwickelt und Angedachtes verwirklicht (siehe «Gäste»  respektive «Illustrierte Beispiele»).

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